FDP.Die Liberalen
Gossau ZH
05.06.2018

7'000 gesunde Bäume sollen einer Deponie weichen!

Die Gemeinden Gossau und Grüningen sind bereit, eine Kröte zu schlucken, aber nicht zwei. Gleich zwei neue Deponien sollen dort nahe beieinander parallel betrieben werden, jetzt gar mit mehr als einer Verdoppelung der Volumina.

Der Grundtenor von Politikerinnen und Politiker aus der Region anlässlich einer Infoveranstaltung für Kantonsrats- und Behördenmitglieder: Auf die Walddeponie Tägernauer Holz soll verzichtet werden. Die Deponie im Tägernauer Holz soll mitten im Wald entstehen und neu 10 Hektar Fläche beanspruchen. Dazu müssen 7'000 Bäume gefällt werden. Alt-Förster Jakob Bodmer schildert anschaulich, dass die Wunde bis doppelt so gross sein werde, weil die neuen Waldränder viel weniger Schutz bieten würden. Erst nach hundert Jahren werde sich der Wald und der Boden wieder erholt haben. Die Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt seien gravierend. Die Gemeindepräsidentin von Grüningen, Susanna Jenny, sprach Klartext: Diese Deponie verstösst gegen das Waldgesetz und das Rodungsverbot. Es ist unverständlich, dass der Kanton Zürich seinen eigenen Wald zum Abschuss freigibt. Wenn das geschieht, schafft er einen Präzedenzfall. Der Kanton Zürich hat es vorgemacht, dann können auch andere riesige Flächen roden.

Reststoffe aus dem ganzen Kanton
Genauso ein riesiges Ärgernis ist, dass das Tägernauer Holz nicht nur den Eigenbedarf als Reststoffdeponie deckt. Für die Region alleine würde das geplante Deponievolumen für 95 Jahre ausreichen. Geplant ist aber für rund 20 Jahre. Der Grund ist gleichermassen einfach wie erschreckend, in Hinwil wird durch die ZAV Recycling AG die ganze Schlackenaufbereitung für den Kanton Zürich gemacht. Dazu kommt auch noch ausserkantonale Schlacke aus dem Wallis und Solothurn. Die entsprechenden Reststoffe sollen ins Tägernauer Holz kommen. Da die Schlacke zum grössten Teil per Bahn angeliefert wird, sieht man nicht ein, wieso nicht auf dem Retourweg, wiederum per Bahn, diese Reststoffe umweltschonend deponiert werden können.

Deponie Leerüti akzeptiert
Anders sieht es bei der Leerüti aus, der zweiten Deponie, bei der Inertstoff, also in erster Linie Bauschutt, abgelagert werden soll. Hier ist man bereit, die Kröte zu schlucken, aber mit der normalen Grösse, nicht mit der neu geplanten, nahezu Verdreifachung des Volumens. Betrieb, Gestaltung und Zufahrt der Deponie müssen zwingend landschaftsverträglich sein.

In nächster Zeit wird der Zürcher Kantonsrat über die geplante Vergrösserung der Deponie Tägernauer Holz entscheiden. Jörg Kündig, Gemeindepräsident, macht klar, diese Walddeponie darf unter keinen Umständen realisiert werden. Die Gemeinde Gossau wird diese bundesrechtswidrige Deponie mit allen Rechtsmitteln bekämpfen und dieses Naherholungsgebiet mit nationalem Ruf integral erhalten.

Gossau, im Mai 2018,
Text: Daniel Baldenweg, Ressortvorsteher Hochbau und Planung, Gemeinderat Gossau ZH.

(Dieser Bericht ist im Gossauer Info Nr. 133 vom Juni 2018 erschienen).

 

Bericht auf "zo züriost" vom 03. Mai 2018 "7'000 Bäume vom Kahlschlag bedroht.

Bericht auf "zo züriost" vom 29. August 2018 "Mehr Antworten vom Regierungsrat gefordert.

Bericht auf "zo züriost" vom 03. November 2018  "Jörg Kündig: «Der Entscheid der Kommission ist enttäuschend»"

Bericht im "Zürcher Oberländer" vom 16. November 2018, Seite 3: "Gossauer Hoffnungen werden nicht erfüllt"